wienerlied

aus „Wiener Bezirkszeitung“ vom 11.07.2015
(Text & Fotos:© herbe marker)

„Zum G´spritzten“. Bleibt der Ottakringer Geheimtipp für das echte Wienerlied bestehen ?

 

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In der „Weinschenke zum G´spritzten“ in der Ottakringer Heigerleingasse 1 wird seit vielen Jahren der erste Donnerstag im Monat zum Hochamt für das authentische Wienerlied, das ja mit so manchen mediokren Darbietungen bei Touristenheurigen so gut wie nichts zu tun hat. Nun wechselt ab August 2015 der Besitzer, plant Modernisierungen und ein erweitertes gastronomisches Angebot im Lokal und seinem urtümlich gemütlichen Gastgarten. Nach ersten Informationen soll „die Musik“ bestehen bleiben. Näheres war noch nicht zu erfahren.

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Niemand geringerer als die Ottakringer Legende, Natursänger„Sir“ Kurtl Girk (84), Träger des „Silbernen Verdienstzeichen des Landes Wien“, gibt sich als Trio, mit Szene-Mastermind Rudi Koschelu an der Kontragitarre und genreübergreifendem Vollblutmusiker und Theaterkomponisten Tommy Hoysa hinter der Knopferlharmonika, traditionell jeden ersten Donnerstag im Monat die Ehre beim „G´spritzen“.

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Während die Gästeschar an anderen Tagen überschaubar ist, sitzen Kurtl und seine Musiker an seinem Abend der „Wienerlieder und Evergreens“ mit zahlreichen alten Freunden und neuen Gästen am Tisch. Voll Lust und Freude werden oft gemeinsam die echten Wienerlieder, wie man sie kaum mehr woanders hört, interpretiert, das eine oder andere Glas Jurtschitsch verkostet und gerne auch ein paar Zigaretteln geraucht, ohne dass sich die nichtrauchenden Gäste weiter darüber echauffieren würden.

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Die Atmosphäre ist sowohl über den Winter im Souterrain wie auch im Sommer im Gastgarten entspannt wie bei einem Familientreffen. Und es ist eine gar grosse Familie, die erst in letzter Zeit auch durch jüngere Fans, durch Burgschaupieler, Kulturattachés, Redakteurinnen und andere Kreative erweitert wurde. Die Wienerlied-Karriere Kurtl Girks begann ja schon in den 1950er Jahren, wodurch sich auch die bunte Zusammensetzung der Zuhörer erklärt. Ehemalige Musikerkollegen, Schulfreunde, Verehrerinnen, Weggefährten durch schwierigere Zeiten, sogenannte Galeristen bis hin zu längst pensionierten Kommissaren, die es damals auch nicht immer leicht mit den fliegenden Karten und harben Tanz der ausgelassenen Herrschaften hatten.

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Ab 7.Juli nun ist die Weinschenke wegen Renovierung geschlossen und soll bereits im August mit neuem Besitzer wieder eröffnen. Obwohl einige Modernisierungen nicht schaden könnten, ist ein Blick zum „Herrgott im Himmel“, wie er in vielen der traditionellen Wienerlieder gerne vorkommt, angebracht, um diese Stätte des Vergnügens auch weiter für das echte Wienerlied zu erhalten. 

(update2016: das Lokal heisst neu „Steireralm“, soll neben der alten Stammkundschaft auch Gäste aus, nun, neuen Kreisen begeistern und konnte trotz des Namens paradoxerweise das Wienerlied-Trio als Magnetevent weiterhin sichern)